Hilfe zur Selbsthilfe in Äthiopien – Sabine Janzen berichtet

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Die Welt zu einem besseren Ort machen. Hilfe zur Selbsthilfe in Entwicklungsländern leisten. Das Lachen und die Dankbarkeit der Kinder sehen. Sabine Janzen erzählt uns von ihren Erlebnissen in Äthiopien.

Hier liest du den ersten Teil unseres Interviews.

Elischeba: Was war anders als vorher gedacht?

Sabine: In Deutschland dachte ich Habtamu und seiner Familie geht es mit meiner Hilfe etwas besser. Wie weitreichend die Hilfe dort aber für die ganze Region ist, habe ich erst verstanden, als ich vor Ort war.

Wenn in einem Land absolute Dürre herrscht und man in eine Region kommt, wo die Felder alle ganz grün sind, weil durch World Vision Brunnen gebaut wurden.

Dann erkennt man erst wieviele Menschen durch so eine Patenschaft profitieren. Und das alles nur durch unsere Patenschaften – das konnte ich kaum glauben.

Habtamus wichtigste Arbeit als Kind war jeden Tag für Wasser zu sorgen.

Nach ein paar Jahren bekam ich ein Bild von Habtamu, wie er mit einer wunderschönen Gießkanne richtig sauberes Wasser an einem Wasserhahn holt. Ich habe mich so sehr über dieses Bild gefreut.

Als ich ihn besucht habe, frage ich ihn, wo denn dieser Wasserhahn sei. Ich hatte angenommen, er wäre direkt an seiner Hütte.

habtamu

Fotograf: privat

Habtamu lachte und sagte nein, dieser Wasserhahn wäre circa einen Kilometer weit weg, aber total zentral für alle.

Ein Kilometer sei ja gar nichts und das wäre ja jetzt auch wundervolles, sauberes Wasser. Ich habe seit diesem Erlebnis ein ganz anderes Bewusstsein, was die Bedeutung von Wasser angeht. Und wieder überkommt mich eine tiefe Dankbarkeit, wenn ich hier zu Hause einfach meinen Wasserhahn öffnen kann.

Aus Deutschland wurden einige alte Kreissägen und Tretnähmaschinen besorgt. So können Jugendliche die nie die Chance hatten eine Schule zu besuchen. Sie lernen Tische, Bänke und anderes zu zimmern. Oder Kleider zu nähen, um so später auch mit einem Handwerk ihren Lebensunterhalt bestreiten zu können.

Ich fand es so wundervoll zu sehen, dass es nicht nur einem einzelnes Patenkind besser geht, sondern auch, dass die ganze Dorfgemeinschaft die Möglichkeit auf eine bessere Zukunft hat. Dadurch dass World Vision gemeinsam mit der Bevölkerung in allen Bereichen aktiv ist.

Ziegen

Fotografin: Sabine Janzen

Durch eine Sonderspende mit meinen Freunden konnte in einem Dorf Wasserleitungen gelegt werden. Ich sah darin erst gar kein Problem, doch Äthiopien ist etwa dreimal so groß wie Deutschland.

Erst als ich in diesem Land war wurden mir die riesigen Entfernungen bewusst, die es erst einmal zu überwinden galt, um diese Leitungen zu legen.

Mir wurde klar wie Zeit- und Arbeitsaufwendig so eine Planung sein muss. Und was für ein unglaubliches Geschenk es für diese Menschen ist, wenn es dann endlich Realität wird.

Grundschule in Äthiopien

Fotografin: Sabine Janzen

Elischeba: Wieso hat die Reise dein Leben verändert?

Sabine: Schon vor meiner Reise habe ich immer wieder Geld in meinem persönlichen Umfeld für Sonderspenden gesammelt. Ich weiß, es gibt sehr viele wundervolle Menschen auf unserer Erde, die schon sehr viel Geld an Hilfsorganisationen gespendet haben.

Leider konnten sie niemals sicher sein, was mit ihrem Spendengeld dann gemacht wurde.

Bei World Vision ist das zum Glück anders. Das Tolle ist ja, Word Vision hat mich auch gleich dazu ermutigt, mir ihre Arbeit vor Ort anzusehen. Wie viele Organisationen tun das?

Ansonsten schickte man mir immer Fotos von den Maßnahmen, die durch unsere Sonderspenden gemacht werden konnten. Ob eine Wasserleitung im Dorf gelegt wurde, ob Tische und Bänke für die Schule gekauft wurden, Familien mit Nutztieren unterstützt wurden und so vieles mehr.

Schule Äthiopien

Fotografin: Sabine Janzen

Als ich damals von meiner anstehenden Reise im Freundeskreis erzählt habe, bekam ich große finanzielle Unterstützung. Als ich aus Äthiopien wieder zurückkam, war ich total begeistert von den ganzen Eindrücken und auch, dass so viel möglich ist, wenn Menschen mit Tatkraft zusammen arbeiten.

Aus den Fotos der Reise habe ich eine kleine Fotopräsentation gemacht und die dann an mehreren Abenden Freunden und Bekannten gezeigt. Ich musste einfach zeigen, wie wundervoll ihre Unterstützung da auch ankommt. Nach den Videoabenden haben sie dann alle nochmal genauso viel wie vor meiner Reise gespendet.

Zum einen weil die Menschen so begeistert von der Arbeit vor Ort waren und dann zu sehen, in welch entsetzlicher Armut so viele Menschen in Äthiopien leben müssen und mit welch einfachen Maßnahmen es dort möglich ist, Hoffnung auf eine bessere Zukunft zu schenken.

Mutter Patenkind

Fotograf: privat

Auch an Fasching organisiere ich seit vielen Jahren ein kleines Fest bei mir, wo viele Leute aus meinem Dorf, Freunde, Bekannte und Verwandte vorbeischauen und mich dabei sehr liebevoll finanziell für Äthiopien unterstützen.

All diese Einkünfte gehen immer direkt in die Projektgebiete, diese dienen meist der Allgemeinheit. Es werden damit aber auch speziell ganz arme Familien unterstützt, die nicht das Glück einer Patenschaft haben!

Ich habe folgendes gelernt: „Wenn viele kleine Leute an vielen kleinen Orten viele kleine Dinge tun, können sie das Gesicht der Welt verändern.“ Das ist ein afrikanisches Sprichwort. 🙂

Persönlich habe ich aber auch viel mitgenommen. Es war für mich unglaublich schön zu sehen, was alles möglich ist, wenn viele liebe Menschen an einem Strang ziehen.

Es ist n i e m a l s zu spät und man ist n i e m a l s zu alt, sich von seinem Sofa zu erheben und dabei mit zu helfen diese Welt fürsorglicher, freundlicher und liebevoller zu gestalten. Sei heute stärker als deine Ausreden. Jeder auf seine Weise und nach seinen Möglichkeiten!

World Vision

Fotografin: Sabine Janzen

Wenn nur alle, die vom Leben begünstigt sind, etwas an die anderen abgeben würden, dann würde es doch für alle locker reichen ein menschenwürdiges Leben zu führen.

Ich hatte im Jahr nach meiner Reise mehrere Todesfälle in meiner Familie, auch im Freundeskreis und wäre ich vorher nicht in Äthiopien gewesen, wäre ich wahrscheinlich seelisch-moralisch schon sehr lange innerlich zerbrochen.

Aber bei all meinen Schicksalsschlägen, die ich durchlebt habe, wurde mir bewusst, was ich doch für ein Glück habe in Deutschland aufgewachsen zu sein und hier leben zu können.

Wie viele Äthiopier mein Schicksal sehr gerne gehabt hätten. Egal welche Schicksalsschläge man hier im Leben zu überstehen hat – ich habe hier trotzdem immer etwas zu Essen und Trinken und immer ein Dach über dem Kopf.

Ich kann mir jederzeit medizinische Hilfe holen und beruflich kann ich mich entfalten.

Das alles war und ist mir heute noch ein immenser Trost. In Äthiopien, wäre ich allein auf mich gestellt und müsste ohne staatliche Hilfe schauen, wie ich zurechtkomme.

Ja, es gibt mir eine solche Kraft, das hätte ich mir niemals vorstellen können.

Heute erfüllt mich eine tiefe Dankbarkeit für all das Glück, dass ich in meinem Leben schon hatte.

Patenkind besuchen

Fotograf: privat

Elischeba: Welche Pläne hast du für die Zukunft?

Sabine: Zunächst einmal hoffe ich, dass ich die Patenreise nach Äthiopien, die im vergangenen Jahr wegen Unruhen leider abgesagt werden musste, irgendwann nachgeholt werden kann.

Da meine Patenschaft mit Habtamu nun leider abgelaufen ist, liebäugle ich im Moment mit einer neuen dritten Patenschaft! 🙂

Und was das Geld sammeln betrifft: Ich werde sicher wieder Äthiopien-Videoabende durchführen – auch werde ich im Internet noch mehr Werbung für World Vision machen.

Fotos Patenkind

Fotograf: privat

Ein Video habe ich an Weihnachten auf YouTube-Tube veröffentlicht, weil ich so verzweifelt war, meine Patenkinder nicht besuchen zu können.

Trotzdem wollte ich den Menschen auf irgendeine Weise helfen. Ich möchte alle Menschen die das hier lesen motivieren.

Werdet Paten, sammelt Geld in eurem Umfeld und helft mit den verzweifelten Menschen in ihrer Heimat Hilfe zur Selbsthilfe zu geben. Last uns nicht weiter ohnmächtig zusehen, wie sich täglich tausende Flüchtlinge zu uns auf den Weg machen.

Wir helfen vor Ort, niemand verlässt seine Heimat, seine Familie, Freunde und Verwandten gerne, wenn er die Chance bekommt auch zu Hause überleben zu können.

beautful Africa

Fotografin: Sabine Janzen

Ich wurde früher so oft belächelt, weil meine Freunde der Meinung waren, wegen diesem bisschen Geld muss ich doch keine Sonderspende machen.

Es sind aber genau diese vielen, vielen kleinen Geldbeträge, die zusammengenommen soviel Gutes bewirkt haben. Heute belächeln mich meine Freunde nicht mehr!

Die Erkenntnis, ich bin hier nur ein ganz kleines Rädchen, aber auch ich kann etwas bewegen, erfüllt mich mit sehr großer Freude.

Wie vielen Menschen konnten wir damit schon Hoffnung schenken? Für die äthiopischen Projektgebiete will ich noch vieles ausprobieren. Da habe ich gar nichts zu verlieren, sondern kann nur gewinnen.

Elischeba: Sabine, wir danken dir ganz herzlich für deinen Einsatz. Wie toll, dass es Menschen gibt, die unsere Welt zu einem besseren Planeten machen.

Wir haben übrigens auch ein Patenkind bei World Vision (Ady aus dem Senegal). Es ist schön, regelmäßig Post zu kriegen und über neue Projekte informiert zu werden.

Hier geht es zum ersten Teil vom Interview mit Sabine Janzen.

Hier kannst du mehr über World Vision erfahren.
 
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