Schluss mit deinem schlechten Gewissen:
7 Dinge, die du dir ab 40 endlich erlauben darfst
Du hast heute gearbeitet, dich um deine Familie gekümmert und nebenbei gefühlt hundert Kleinigkeiten erledigt. Trotzdem fällt dir abends ausgerechnet das ein, was liegen geblieben ist. Die Wäsche zum Beispiel. Oder die Nachricht, auf die du noch nicht geantwortet hast. Und während du eigentlich längst Feierabend haben könntest, hält dein schlechtes Gewissen noch eine kleine Betriebsversammlung ab.
Dabei frage ich mich: Wer hat eigentlich beschlossen, dass wir erst dann zufrieden mit uns sein dürfen, wenn alles fertig ist?
Als Mutter von zwei Kindern, Bloggerin und Yogalehrerin gehören ganz unterschiedliche Aufgaben zu meinem Alltag. Familie, Texte, Fotos, Unterricht und die Arbeit hinter den Kulissen meiner Webseiten. All das braucht Zeit und Aufmerksamkeit. Deshalb finde ich die Vorstellung ziemlich unrealistisch, dass jeder Lebensbereich gleichzeitig perfekt laufen soll.
Außerdem hört meine Arbeit im Haus nie auf, weil es wirklich IMMER noch irgendwo eine Ecke gibt, die dringend gereinigt werden muss. Komplett perfekt ist es nie. Ich habe aufgehört, deswegen ein schlechtes Gewissen zu haben, weil der Großteil unseres Hauses immerhin vorzeigbar ist.
Alles gleichzeitig tiptop halten kriege ich eben nicht hin. Und ich pflege meinen Garten nicht für meine Nachbarn. Wer hat außerdem entschieden, was Unkraut ist und was nicht?

1. Dein Abendessen braucht keine Standing Ovations
Es gibt Abende, da macht Kochen Spaß. Du schnippelst in Ruhe, probierst etwas Neues aus und freust dich auf das Essen. Und dann gibt es die anderen Abende, an denen du schon beim Öffnen des Kühlschranks denkst: Bitte lass hier irgendetwas sein, das sich fast von allein zubereitet. Wobei ich zugeben muss, dass ich ein großes Privileg habe: Einen Mann, der liebend gerne und verdammt gut kocht. Aber zurück zum Thema:
Auch dann darfst du es dir leicht machen.
Ein unkompliziertes Abendessen aus dem, was noch da ist, kann völlig ausreichen. Außerdem ist es sinnvoll, Lebensmittel aufzubrauchen, bevor du neue einkaufst. Die übrig gebliebenen Kartoffeln dürfen deshalb noch einmal auf den Tisch, und aus Gemüse, Brot oder Nudeln muss kein aufwendiges Rezept entstehen.
Gerade weil Nachhaltigkeit auf meinem Blog immer wieder eine Rolle spielt, passt dieser Gedanke gut zu mir: Vorhandenes wertschätzen und nutzen. Das gilt schließlich auch in der Küche.
Und mal ehrlich: Ein gemütliches Essen, bei dem du noch genug Energie für ein Gespräch hast, ist doch ziemlich viel wert.
2. Zieh den Rock an – dein Geburtstag entscheidet nicht über deinen Kleiderschrank
Mit 40 soll es angeblich dezenter werden. Mit 50 dann bitte noch etwas zurückhaltender. „Elischeba dein Rock steht dir ja, aber in deinem Alter ist das schon mutig.“ Ja, habe ich kürzlich noch gehört. Aber wieso eigentlich? Wird irgendwo eine geheime Kleiderordnung ab 40 verschickt, die ich übersehen habe?
Ich bin 50 und beschäftige mich trotzdem damit, welcher Rock gut zu Sneakern passt und welcher Schnitt mir gefällt. Dabei möchte ich mich wohlfühlen, aber eben auch meine Figur zeigen dürfen. Beides schließt sich schließlich nicht aus.
Natürlich verändert sich der Geschmack. Vielleicht magst du heute andere Stoffe, brauchst bequemere Schuhe oder hast keine Lust mehr auf Kleidung, an der du ständig herumziehen musst. Das ist völlig okay. Nur sollte deine Entscheidung von dir kommen.
Wenn du vor dem Spiegel stehst, frag dich deshalb lieber: „Gefällt mir das? Kann ich mich darin gut bewegen? Fühle ich mich damit wohl?“
Das ist wesentlich hilfreicher als die Frage, ob irgendeine fremde Person dein Outfit für altersgerecht hält. Schließlich gehst du darin vor die Tür – und nicht deren Meinung.
3. Du musst nicht alles im Kopf behalten
Familientermine, berufliche Aufgaben, Einkaufszettel, Geburtstage und irgendwo dazwischen eine Idee, die du unbedingt noch aufschreiben wolltest: Manchmal ist der Alltag einfach voll.
Bei mir kommen zur Familie noch die Themen für meine Blogs, Kooperationen, Fotos und die Vorbereitung von Yogastunden hinzu. Schon daran wird deutlich, wie unterschiedlich die Dinge sind, zwischen denen ich wechseln muss.
Deshalb halte ich wenig davon, sich auch noch dafür zu kritisieren, dass man eine Erinnerung im Kalender braucht. Du musst dir nicht alles merken, um zuverlässig zu sein.
Schreib die Aufgabe auf. Stell dir eine Erinnerung. Bitte jemanden, seinen Termin selbst einzutragen. Denn eine Notiz ist kein Zeichen dafür, dass du deinen Alltag nicht im Griff hast. Sie kann dir schlicht helfen, ihn entspannter zu gestalten.
Und bevor du die nächste Aufgabe automatisch übernimmst, darfst du außerdem fragen: Muss ich mich wirklich darum kümmern, oder kann das jemand anderes erledigen?
4. Deine Wohnung darf zeigen, dass dort Menschen leben
Auf Instagram sind Wohnzimmer oft erstaunlich leer. Keine herumliegenden Ladekabel, keine Jacke über dem Stuhl und schon gar kein Wäscheständer zwischen Sofa und Fenster.
In einem Familienhaushalt sieht es dagegen manchmal so aus, als hätte gerade jeder Raum eine zusätzliche Aufgabe bekommen. Das Wohnzimmer ist dann eben auch Trockenraum, Hausaufgabenecke oder Zwischenlager.
Natürlich ist Ordnung angenehm. Allerdings finde ich es schwierig, wenn daraus eine tägliche Prüfung wird, bei der wir uns selbst ständig schlechte Noten geben.
Zu meinem Leben gehören zwei Kinder und unsere Hündin Billy Jean. Deshalb passt zu mir ein Zuhause, in dem Familienleben stattfinden darf. Ein Raum muss nicht aussehen wie eine frisch fotografierte Ferienwohnung, damit man sich darin wohlfühlen kann.
Wenn dich etwas stört, räum es weg. Wenn du aber gerade müde bist, darf manches bis morgen warten. Der Wäscheständer schreibt jedenfalls keine Bewertung über dich.
5. Du darfst selbst entscheiden, wann du Sprachnachrichten hörst
Ich liebe Sprachnachriten und nutze sie häufig. Gerade wenn man sich selten sieht, ist es angenehm, die Stimme einer Freundin zu hören. Allerdings passt eine längere Nachricht nicht automatisch in jeden Moment.
Du darfst sie später anhören. Und du darfst auch die Wiedergabegeschwindigkeit erhöhen, wenn du damit gut folgen kannst. Ich habe einen guten Freund, mit dem ich mir regelmäßig Sprachnachrichten schicke, welche auch schonmal bis zu 30 Minuten gehen. Ja, das ist dann schon ein Podcast. Ich höre sie bei der Hausarbeit und diese geht dann häufig auch leichter voran. Weil ich etwas Spannendes zum Hören habe.
Durch meine Arbeit mit Blog und Social Media gehört das Handy zu meinem beruflichen Alltag. Genau deshalb finde ich die Frage wichtig, wie viel Aufmerksamkeit es zusätzlich in meiner freien Zeit bekommt.
Nur weil eine Nachricht sofort bei dir ankommt, musst du nicht sofort verfügbar sein. Ich muss zugeben, dass ich hier einen Rat in die Tasten haue, den ich selbst schlecht umsetzen kann. Denn ich denke mir häufig: „Die Person hat die zwei blauen Häkchen gesehen und wartet jetzt auf Antwort.“
Wenn es um etwas Persönliches oder Schwieriges geht, kann es natürlich schöner sein, sich bewusst Zeit zu nehmen. Aber diese Zeit darfst du wählen. Eine ehrliche Antwort am nächsten Tag kann viel aufmerksamer sein als eine hastige Reaktion zwischen zwei anderen Aufgaben.
Du kannst Menschen mögen und trotzdem gerade dein Handy weglegen.
6. Eine freundliche Absage darf kurz sein
Kennst du diesen Impuls, eine Absage mit sämtlichen Hintergründen zu versehen? Erst erklärst du deinen Terminplan, dann die Familiensituation und schließlich noch, warum du wirklich, wirklich gern gekommen wärst.
Dabei darfst du freundlich absagen, ohne deine ganze Woche offenzulegen.
Zum Beispiel: „Danke für die Einladung, diesmal bin ich nicht dabei.“ Oder: „Das schaffe ich diese Woche leider nicht.“
Auf Instagram hatte ich mal folgenden Beitrag gepostet: „Nein ist ein ganzer Satz.“ ist ein paar Jahre her, als ich das gepostet habe, gilt aber immer noch.
Bei einem Leben mit Familie, Selbstständigkeit und Yogakursen ist Zeit nun einmal begrenzt. Und wenn ich über diese verschiedenen Aufgaben nachdenke, wird mir klar: Man kann nicht jede zusätzliche Anfrage irgendwo dazwischenquetschen, ohne dass etwas anderes zu kurz kommt.
Natürlich verdienen Menschen Verlässlichkeit. Wenn du bereits zugesagt hast und etwas ändern musst, ist eine Erklärung oft sinnvoll. Trotzdem musst du dich nicht für jede Grenze rechtfertigen.
Besonders dann, wenn dein einziger „Termin“ ein freier Abend ist. Auch den darfst du behalten.
7. Gib dem, was du geschafft hast, endlich etwas Aufmerksamkeit
Am Abend ist die unerledigte Aufgabe oft erstaunlich laut. Alles, was dagegen gut gelaufen ist, verschwindet schnell unter „war doch selbstverständlich“.
Aber war es das wirklich?
Vielleicht hast du gearbeitet, jemandem zugehört, einen Konflikt geklärt oder dich um etwas gekümmert, das schon lange anstand. Vielleicht hast du auch endlich eine Pause gemacht, obwohl du normalerweise noch weitergemacht hättest.
Das zählt ebenfalls.
Als Yogalehrerin gehört für mich zum Yoga mehr als die Frage, wie weit jemand in eine Haltung kommt. Auch das Wahrnehmen des eigenen Körpers und seiner Grenzen hat seinen Platz. Diesen Gedanken finde ich für den Alltag genauso hilfreich: erst einmal bemerken, wie es dir gerade geht, bevor du noch mehr von dir verlangst.
Du könntest dich abends deshalb fragen: Was habe ich heute erledigt? Was war schön? Und wo habe ich eine gute Entscheidung für mich getroffen?
Dabei muss nichts Spektakuläres herauskommen. Ein ganz gewöhnlicher Tag kann trotzdem voller Dinge gewesen sein, die deine Kraft und Aufmerksamkeit gebraucht haben.
Vielleicht wird es leichter, wenn du dir selbst mehr erlaubst
Ich möchte Familie, Arbeit, Bewegung und schöne Erlebnisse in meinem Leben haben. Allerdings ergibt sich daraus kein Alltag, in dem immer alles ordentlich, durchgeplant und rechtzeitig fertig ist.
Und ich glaube, vielen von uns geht es ähnlich.
Deshalb möchte ich diese kleinen Freiheiten ernster nehmen: Kleidung tragen, die mir gefällt. Aufgaben vereinfachen. Eine Grenze setzen. Und nicht erst dann ausruhen, wenn es garantiert nichts mehr zu tun gibt.
Denn auf diesen Moment könnten wir ziemlich lange warten.
Vielleicht suchst du dir für morgen einfach eine Sache aus, bei der du den Druck etwas herausnimmst. Das Abendessen, die Nachrichten oder die Erwartung, es allen recht zu machen.
Und wenn dann abends noch Wäsche herumsteht? Dann hattest du vielleicht trotzdem einen richtig guten Tag.
Wobei würdest du dir gern weniger Druck machen – und was fällt dir noch schwer?
Deine Elischeba
Fotografen der Bilder: Johannes Franke, Matthias Mahnke, Martin Helmers und Carsten Seehafer und Gerd Bülte.
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2. Zieh den Rock an – dein Geburtstag entscheidet nicht über deinen Kleiderschrank
3. Du musst nicht alles im Kopf behalten
4. Deine Wohnung darf zeigen, dass dort Menschen leben

Sehr schön geschrieben, Elischeba und genau, wer definiert, was man mit 40 zu tragen hat und was nicht?