Sexy in den Wechseljahren: Von wegen uralt
Um mich herum sitzen zahlreiche Frauen in den Wechseljahren. Im Sommer 1999 in einem schönen Garten. Ich bin zu diesem Zeitpunkt Anfang 20 und fühle mich leicht genervt. Themen wie Hitzewallungen, Kompressionsstrumpfhosen und Rückenschmerzen sind nicht meins. Vor allem, weil ich es kaum hinkriege, die Gespräche auf andere Themen zu lenken. Meine eigenen Wechseljahre? Boah, die liegen doch noch so weit in der Zukunft.
Die anderen Frauen kommen mir uralt vor. Knapp 30 Jahre später bin ich so jung wie diese Frauen von damals. Somit muss ich zugeben, dass ich selbst erstaunt darüber bin, wie schnell die Jahre zwischen der ersten und letzten Periode verfliegen. Trotzdem fühle ich mich alles andere als alt. Manchmal sogar sexy. Geht das in den Wechseljahren überhaupt? Mit diesem Thema möchte ich mich heute auf meinem Blogazin befassen.
Geben wir mit jedem Lebensjahr Attraktivität ab?
Ich kenne einige Frauen, die so circa zwischen Mitte 40 und 70 Jahre sind und absolut attraktiv wirken. Sie haben tolle Lachfältchen und strahlen von innen. Trotzdem begegnet uns immer wieder eine ziemlich merkwürdige Vorstellung.
Als würden wir mit jedem Lebensjahr etwas von unserer Attraktivität abgeben. Erst heißt es „über 30“. Dann „für ihr Alter“. Und irgendwann klingt schon die Frage, ob eine Frau noch sexy sein kann, etwas merkwürdig.
Dabei frage ich mich: Warum eigentlich?
Natürlich verändert sich unser Körper. Außerdem können die Wechseljahre eine Zeit sein, in der wir uns neu kennenlernen müssen. Aber daraus folgt doch nicht, dass wir uns verstecken sollen. Oder dass Sinnlichkeit nur noch etwas für andere ist.
Manchmal zeigen Männer Interesse an mir, welche vom Alter her beinahe meine Söhne sein könnten. Nun, ich bin glücklich verheiratet, aber trotzdem zeigt mir dies, dass Frauen in den Wechseljahren durchaus sexy sein können.
Mit jüngeren Frauen mithalten? Wobei denn?
Kürzlich habe ich einen Kommentar auf Instagram gelesen. Frauen über 30 könnten mit Frauen Anfang 20 nicht mehr mithalten. Meine erste Reaktion darauf ist eine Gegenfrage: Mithalten wobei?
Haben wir uns irgendwo für einen Wettbewerb angemeldet? Gibt es eine Jury? Und warum sollte eine 50-jährige Frau aussehen oder leben müssen wie eine 25-jährige?
Eine junge Frau darf schön sein. Eine ältere Frau genauso. Beides kann gleichzeitig wahr sein. Deshalb möchte ich jüngere Frauen auch nicht abwerten, um mich selbst besser zu fühlen. Wir sollten uns nur nicht vergleichen, finde ich.
Macht Erfahrung sexy?
Mit 20 beginnt für viele gerade das Erwachsenenleben. Mit 50 haben wir schon einiges erlebt. Wir haben Beziehungen geführt, Entscheidungen getroffen und vielleicht Kinder großgezogen. Außerdem haben wir gearbeitet, gelacht, gezweifelt und wieder neu angefangen.
Das alles gehört zu uns. Weshalb sollte es uns weniger interessant machen?
Du musst keine jüngere Version von dir besiegen, um dich heute attraktiv fühlen zu dürfen.
Sexy in den Wechseljahren: Ja, das ist möglich. Ich kenne Frauen, welche sich mit Mitte 40 endlich das trauen, wovon sie mit 20 nur geträumt haben. Und das macht sexy.
Haben es Männer leichter?
Bei Männern fallen im Zusammenhang mit dem Älterwerden gerne Wörter wie Erfahrung, Souveränität und Ausstrahlung. Die ersten grauen Haare wirken oft attraktiv. Bei Frauen geht es dagegen auffällig schnell um die Frage, ob man ihnen ihr Alter ansieht.
Natürlich erlebt das nicht jeder Mensch so. Trotzdem erkenne ich diesen doppelten Maßstab in vielen Kommentaren und Bildern wieder. Vor ein paar Tagen noch hat jemand unter dem Foto einer Schauspielerin geschrieben, dass ihre besten Jahre vorbei sind. Wie kann man auf diese Weise ein Bild kommentieren?
Ein Mann bekommt graue Haare und gilt als interessant. Eine Frau bekommt graue Haare und soll möglichst etwas dagegen unternehmen. Gleichzeitig wird von ihr erwartet, ganz natürlich auszusehen. Puh. Da kann man es ja kaum richtig machen.
Deshalb möchte ich genauer hinschauen, wenn ein Kompliment mit „für dein Alter“ endet. Warum braucht es diesen Zusatz?
Du kannst schön aussehen. Punkt. Du kannst eine tolle Ausstrahlung haben. Punkt. Und du darfst 50 sein, ohne dass jemand dein Geburtsjahr wie eine Einschränkung danebenstellt.
Sexy sein beginnt bei der Frage: Was gefällt mir?
Für mich gehört zu diesem Thema auch, wer eigentlich bestimmt, was sexy ist. Mir wurde schon gesagt, dass mein Rock für mein Alter zu kurz ist. Wer definiert, ab welchem Alter wir Frauen was nicht mehr tragen dürfen?
Geht es immer darum, Männern zu gefallen? Oder dürfen wir zuerst fragen, worin wir selbst uns wohlfühlen?
Vielleicht magst du ein figurbetontes Kleid. Vielleicht fühlst du dich in Jeans und einem schlichten Oberteil besonders gut. Oder du liebst einen Bikini, obwohl dein Bauch inzwischen anders aussieht.
Du darfst dich schminken, deine Haare färben und schöne Kleidung tragen. Genauso darfst du darauf verzichten. Denn beides sagt noch nichts darüber aus, wie gut du mit dir selbst umgehst.
Und falls du gerade überhaupt keine Lust hast, sexy zu sein, ist das ebenso okay. Auch daraus müssen wir keine neue Aufgabe machen.
Mein Körper ist mehr als ein Foto
Als Yogalehrerin beschäftige ich mich viel mit Bewegung und Körperwahrnehmung. Zu meiner eigenen Praxis gehört auch Hormonyoga, das ich dreimal pro Woche übe.
Dabei möchte ich meinen Körper nicht nur danach beurteilen, wie er von außen aussieht. Ich möchte auch wahrnehmen, wie sich eine Bewegung anfühlt. Wo ich Spannung halte. Und wann eine Pause gut wäre.
Das klingt schön. Allerdings bin ich selbst noch am Üben.
Ich bringe anderen bei, im Moment anzukommen. Trotzdem wandern meine Gedanken manchmal in die Vergangenheit oder in die Zukunft. Ich spreche über Loslassen. Und merke gleichzeitig, dass mir das nicht immer leichtfällt.
Deshalb möchte ich auch beim Thema Selbstannahme ehrlich bleiben. Nur weil ich Yoga unterrichte, bin ich nicht automatisch frei von Vergleichen oder Unsicherheit.
Vielleicht kennst du das ebenfalls. Du weißt eigentlich, dass dein Wert nicht von einem Foto abhängt. Und trotzdem bleibst du vor dem Spiegel an einer Kleinigkeit hängen.
Dann müssen wir uns nicht auch noch dafür verurteilen. Wir können stattdessen üben, freundlicher mit uns zu sprechen.
Mit 50 gibt es keine vorgeschriebene Reihenfolge
Ein weiterer Gedanke: Frauen im gleichen Alter können an völlig unterschiedlichen Stellen im Leben stehen.
Die eine organisiert noch Elternabende. Ihre Nachbarin ist bereits dreifache Großmutter. Die andere plant eine längere Reise. Eine möchte beruflich mehr erreichen. Eine andere möchte endlich weniger arbeiten.
Ich bin mit 50 Mutter von zwei Kindern. Gleichzeitig gehören Reisen, Schreiben und Yoga zu meinem Leben. Schon deshalb passt für mich kein fertiges Bild davon, wie eine Frau in diesem Alter sein soll. Ich liebe es, ungeschminkt mit Billy Gassi zu gehen, aber ich style mich auch mal gerne für einen besonderen Abend.
Sexy in den Wechseljahren – durch Ausstrahlung
Vielleicht willst du noch einmal etwas Neues lernen. Vielleicht möchtest du lieber genießen, was du dir aufgebaut hast. Oder du brauchst gerade Ruhe, weil die vergangenen Jahre anstrengend waren. Es kann auch sexy sein, wenn wir Neues wagen und dadurch eine spannendere Ausstrahlung bekommen.
Dein Leben muss deshalb nicht dieselbe Reihenfolge haben wie das deiner Freundin.
Und auch deine Weiblichkeit darf sich auf deine Weise entwickeln. Du musst weder besonders wild noch besonders gelassen werden, um mit 50 alles richtig zu machen.
Grenzen setzen gehört für mich dazu
Selbstbewusstsein klingt oft so, als müsste man nur aufrecht stehen und ein hübsches Outfit anziehen. Für mich gehört aber auch dazu, die eigenen Bedürfnisse ernst zu nehmen.
Hier habe ich ebenfalls noch eine Baustelle. Denn obwohl ich anderen sage, dass sie nicht jedem gefallen müssen, meldet sich meine eigene Harmoniesucht trotzdem manchmal.
Vielleicht kennst du dieses schnelle Ja, obwohl du eigentlich Nein meinst. Oder die Sorge, jemanden zu enttäuschen, wenn du eine Grenze setzt.
Aber wenn wir ständig überlegen, was andere erwarten, bleibt wenig Raum für die Frage, was wir selbst möchten.
Das gilt im Alltag genauso wie bei Nähe und Intimität. Du darfst sagen, was dir gefällt. Du darfst dir Zeit lassen. Und du darfst deine Meinung ändern.
Für mich hat auch das etwas mit einer selbstbestimmten Weiblichkeit zu tun.
Ein bisschen Humor darf bleiben
Die Bilder über Klassentreffen zeigen außerdem, wie viel Humor in diesem Lebensabschnitt stecken kann. Plötzlich treffen ganz verschiedene Lebensentwürfe aufeinander. Und manche Gespräche sind offenbar noch genauso schräg wie früher.
Dabei müssen weder graue Haare noch ein veränderter Körper die Pointe sein. Viel lustiger sind doch unsere Eigenheiten. Unsere alten Rollen. Und die Erkenntnis, dass wir heute nicht mehr jede Unterhaltung geduldig mitmachen müssen.
Vielleicht ist genau das eine schöne Freiheit mit 50. Wir dürfen freundlicher zu uns selbst werden und zugleich klarer entscheiden, wem wir unsere Zeit schenken.
Ja, du darfst dich in den Wechseljahren sexy fühlen
Für mich lautet die Antwort auf die Frage im Titel ganz klar: Ja.
Du darfst dich mit 50 attraktiv fühlen. Du darfst Lust auf schöne Kleidung, Nähe und neue Erfahrungen haben. Und du darfst deinen Körper mögen, auch wenn du nicht jede Veränderung begeistert begrüßt.
Dabei musst du niemandem beweisen, dass du „noch mithalten“ kannst.
Ich bin 50. Mein Leben besteht aus Familie, Arbeit, Reisen, Yoga und allem, was dazwischen passiert. Ich möchte diese Zeit bewusst erleben. Dazu gehört für mich auch, mich als Frau sichtbar zu fühlen.
Vielleicht beginnt das heute ganz klein. Mit einem Kleidungsstück, das du gerne trägst. Mit Bewegung, die dir Freude macht. Oder mit einem Blick in den Spiegel, bei dem du ausnahmsweise nicht sofort nach einem Fehler suchst.
Was hilft dir, dich in deiner Haut wohlzufühlen? Und was möchtest du dir erlauben, ohne zuerst andere um Zustimmung zu bitten?
Produkte für die Wechseljahre
Ich nehme keine bioidentischen Hormone zu mir. Meine Frauenärztin hat mir gesagt, dass sie diese nicht verschreibt, da ich zu wenig Symptome habe.
Ich probiere gerade ein neues Produkt aus.
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Schau gerne mal auf deren Website, um unterstützt zu werden. Ich habe mir zum Beispiel die Magic Yams – Yamswurzel Creme für Frauen im Wandel bestellt. Ich werde sie nun ausprobieren und mir täglich fünf Pumpstöße auf zarte Hautstellen geben.
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Innerlich und äußerlich strahlen in den Wechseljahren
Vor einigen Monaten habe ich auf Instagram (elischebas_blog) ein Reel zum Thema gepostet, dass mir eine Frau Anfang 60 mal gesagt hat, dass wir Frauen ab 50 unsichtbar werden. Das brauchen wir gar nicht, wenn wir innerlich und äußerlich mit uns im Reinen sind.
Die Überschrift „Sexy in den Wechseljahren“ hier auf meinem Blog habe ich natürlich mit einem Augenzwinkern geschrieben. Wobei auch etwas dran ist, dass eine Frau, die es gewohnt ist, mit Anfang 20 von Männern wahrgenommen zu werden, damit umgehen muss, wenn sich dies langsam verändert. Darüber habe ich kürzlich noch mit einer Teilnehmerin meines Yogakurses im heimischen Verein gesprochen.
Aber es muss sich gar nicht verändern. Nicht, weil wir uns künstlich jung halten möchten. Sondern da wir mit sympathischen Lachfältchen und Lebenserfahrung weiterhin leuchten.
Elischeba
Fotografen: Drei von Johannes Franke, eins von Matthias Mahnke und der Rest privat
TIPP: Hier findest du tolle Freu-Dich-Codes.
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Ein super wichtiges Thema und ein richtig toller Beitrag!
Puh, ein Satz von dir hat mich nachdenklich gemacht: Dass die Zeit zwischen erster und letzter Periode häufig schneller vergeht, als wir denken. Ich sehe an meinen Kids auch immer wieder, wie die Zeit rast.