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Was hast du als Kind gerne gemacht?

Heute möchte ich auf meinem Blogazin auf die Frage eingehen, was du als Kind gerne gemacht hast. Und dafür habe ich auch einen ganz besonderen Grund.

Vielen von uns mag erst nach einer Weile etwas einfallen. Irgendwas, was sie schon ewig vergessen haben.

Vielleicht das Sammeln von Kastanien. Oder wie sie stundenlang getanzt haben. Barfuß im Garten, einfach weil sie Lust dazu hatten. Wann waren sie absolut im Flow?

Ich habe gerne gemalt und Gedichte geschrieben. Als wir in der Grundschule ein Theaterstück vorgeführt haben, da hatte ich die Hauptrolle gehabt. Als Erwachsene habe ich mit Leidenschaft ein paar Rollen im TV gespielt. Des Weiteren habe ich für meinen sieben Jahre jüngeren Bruder Geschichten geschrieben. Dazu die passenden Bilder gezeichnet. 

Irgendwo da, in diesen Momenten, lag meine Berufung. 

So geht es uns allen. Jeder hat ein Talent. Es gibt keine komplett talentfreien Menschen. Dies habe ich nirgends gelesen, aber das behaupte ich einfach mal aus meinem Bauchgefühl heraus. 

Aber im Laufe der Jahre wurden bei vielen von uns genau diese Talente überdeckt. Von dem, was man eben so „Leben“ nennt. Von Terminen, To-do-Listen, Erwartungen. Auch in der Schule geht es häufiger darum, an den Schwächen zu arbeiten, statt die Stärken zu fördern.

Mathematik hat mich frustriert. Weil ich irgendwann ab der siebten Klasse kaum noch etwas verstanden habe. Dafür bin ich eben künstlerisch und sprachlich begabt. Aber so ist oft das Leben. Wir werden erwachsen – und vergessen, was uns einmal wirklich erfüllt hat.

Vor einigen Monaten, in meinem Yogakurs, habe ich etwas ausprobiert. Eine bewegte Meditation.

Ich bat meine Teilnehmerinnen und Teilnehmer gegen Ende, nochmal innezuhalten. „Erinnert euch“, sagte ich, „an etwas, das ihr als Kind geliebt habt. Was war es?“ Und dann passierte Magie.

Manche lächelten ganz sanft. Andere hatten Tränen in den Augen. Eine erzählte mir später, sie habe plötzlich wieder gewusst, dass sie immer nähen wollte. Und wie gut sich das anfühlt, ein eigenes Kleidungsstück zu entwerfen.

Ich glaube, in uns allen gibt es diesen leisen Ruf. Diese Erinnerung daran, wer wir waren, bevor wir gelernt haben, wer wir sein sollten. 

Wir verlieren im Alltag so leicht die Verbindung zu dem, was uns eigentlich ausmacht. Doch genau dort, in diesem Gefühl aus Leichtigkeit, Neugier, Spielen und Staunen – da liegt unsere Berufung.

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Vielleicht lohnt es sich, wieder einmal hinzuhören. Möchtest du tanzen? Willst du mit einem Ball spielen? Möchtest du wieder tolle Bilder malen? Magst du tief atmen? Hast du lange nicht mehr gestaunt?
Denn manchmal zeigt uns das Kind in uns den klarsten Weg.

Viele Hinweise aus Psychologie und Entwicklungsforschung deuten darauf hin.

Dass das, was wir als Kinder geliebt haben, ein sehr klarer Kompass für unsere spätere Berufung sein kann.Es ist nicht die einzige Wahrheit – aber ein sehr ehrlicher Zugang zu dem, was wirklich zu uns passt.

1. Kindliches Spiel zeigt, wie wir „gemacht“ sind

Kinder „spielen“ nicht zufällig, sie folgen sehr spontan ihren inneren Motiven. Im Spiel drücken sie aus, was sie interessiert, wie sie mit der Welt in Kontakt treten und was ihnen Energie gibt.

  • Ein Kind, das stundenlang malt oder Geschichten erfindet, zeigt ein starkes kreatives Ausdrucksbedürfnis.
  • Ein Kind, das gerne organisiert, plant, „Schule“ oder „Laden“ spielt, zeigt Freude an Struktur, Verantwortung und Führung.
  • Ein Kind, das ständig für andere sorgt, tröstet oder Tiere pflegt, hat oft ein tiefes Empathie‑ und Fürsorge‑Motiv.

Psychologisch gesehen sind solche Tätigkeiten Ausdruck unserer grundlegenden Motive. Zum Beispiel Verbundenheit, Einfluss, Kreativität, Erkenntnis. Die sich schon früh zeigen und im Kern relativ stabil bleiben.

2. Frühe Erfahrungen prägen Selbstbild und Kompetenzgefühl

In der Kindheit entstehen unser Selbstwert, unser Bild von „Was kann ich?“ und „Was darf ich?“. Wenn wir für bestimmte Tätigkeiten Anerkennung bekommen, verknüpft sich Freude mit einem Gefühl von Kompetenz und „Richtigkeit“.

  • Wer als Kind für sein Malen, Erzählen, Bauen oder Helfen gelobt wurde, entwickelt eher das Gefühl: „Das kann ich gut, das bin ich.“
  • Diese Erlebnisse bilden die Basis für Selbstvertrauen und Mut, solche Tätigkeiten auch später groß zu denken – z. B. als Beruf.

Wird ein Kind dagegen stark kritisiert, beschämt oder in andere Richtungen gedrängt, kann es seine ursprünglichen Neigungen verdrängen. Und sich innerlich von ihnen trennen.

3. Bindung, Sicherheit und Neugier

Bindungsforschung zeigt: Wenn Kinder sich sicher und angenommen fühlen, trauen sie sich, zu erkunden, zu experimentieren, zu „spielen“. Und so ihre echten Interessen zu entdecken. Neugier ist dann ein natürlicher Ausdruck von Lebendigkeit.

  • Sichere Bindung fördert Exploration, Selbstvertrauen und die Fähigkeit, eigene Wege zu suchen.
  • In dieser Sicherheit entstehen Erlebnisse von „So bin ich, so möchte ich wirken“, lange bevor ein Kind das Wort „Berufung“ kennt.

Diese frühen inneren Spuren bleiben im Nervensystem und in unserem emotionalen Gedächtnis gespeichert, selbst wenn wir sie später bewusst vergessen.

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4. Wie Konditionierungen die Berufung überdecken

Im Laufe der Kindheit und Jugend internalisieren wir Normen, Erwartungen und Verbote. „Sei vernünftig“, „Damit verdient man kein Geld“, „Sei perfekt“, „Mach es allen recht“. Das führt dazu, dass wir uns anpassen und unsere ursprünglichen Impulse überlagern.

  • Muster wie Perfektionismus, Überanpassung oder „sei stark“ können dazu führen, dass Menschen Berufe wählen, die vor allem Sicherheit, Anerkennung oder Leistungsansprüche bedienen. Nicht ihre inneren Motive.
  • Viele Erwachsene spüren dann eine Leere, Überforderung oder innere Unfreiheit, weil das gewählte Leben nicht mit den frühen, echten Neigungen übereinstimmt.

Psychologisch gesehen entsteht so eine Diskrepanz zwischen „gelerntem Ich“ und „wahrhaftem Ich“. Die sich oft als Sinnkrise, Burnout oder diffuses „Ich bin irgendwie falsch hier“ zeigt.

5. Warum das Erinnern so heilsam ist

Wenn Menschen sich – wie in meinem Yogakurs – in einem geschützten, regulierten Zustand an das erinnern, was sie als Kind geliebt haben, aktivieren sie nicht nur eine schöne Erinnerung. Sondern oft ein altes Selbstgefühl: „So bin ich, wenn ich ganz ich bin.“

  • Solche Rückerinnerungen verbinden kognitive Einsicht („Stimmt, das habe ich geliebt“) mit emotionaler Erfahrung (Wärme, Traurigkeit, Freude, Wehmut).
  • Das Nervensystem erlebt: Diese Seite von mir darf jetzt da sein, sie ist nicht mehr gefährlich oder verboten.

Darum reagieren Menschen in solchen Meditationen oft mit Tränen oder tiefem Berührtsein. Es ist, als würde eine verschüttete Lebensspur wieder sichtbar. In der psychologischen Arbeit mit Berufung und Sinn wird das bewusste Anknüpfen an frühere Interessen deshalb gezielt genutzt. Um neue berufliche Wege zu finden, die innerlich stimmiger sind.

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6. Was das konkret für „Berufung“ heißt

  • Kindliche Vorlieben zeigen unsere natürlichen Motive, Talente und Art, mit der Welt in Kontakt zu gehen.
  • Diese Motive bleiben als Kern relativ stabil, auch wenn äußere Umstände und Fähigkeiten sich verändern.
  • Berufung im psychologischen Sinn ist weniger „der eine Traumjob“, sondern ein Leben und Arbeiten im Einklang mit diesen Kernmotiven.

Deshalb ist die Frage „Was hast du als Kind gerne gemacht?“ so kraftvoll.

Sie umgeht den Kopf mit all seinen „Man muss“, „Das geht nicht“ und führt direkt zu dem Teil in uns, der schon immer wusste, wie er in der Welt sein möchte.

Wenn du – wie ich – als Kind gerne gemalt hast, heißt das nicht automatisch: „Ich muss jetzt zwingend Malerin werden. Sonst habe ich meine Berufung verfehlt.“

Es bedeutet eher: Da steckt ein ganz wichtiger Teil von dir drin. Kreativität, Ausdruck, Farben, Formen, Fantasie, vielleicht Ruhe und Versunkenheit.

Wichtige Punkte dazu:

  • Berufung = Qualität, nicht Jobtitel.
    Deine Berufung ist eher wie du in der Welt sein willst: kreativ, bildhaft, ästhetisch, erschaffend, statt „Ich muss beruflich exakt malen wie als Kind“.
  • Das Malen steht stellvertretend für Bedürfnisse.
    Vielleicht brauchst du Räume, in denen du
    – gestalten kannst statt nur abarbeiten
    – etwas Eigenes erschaffst statt nur zu reagieren
    – Farben, Formen, Design oder Ästhetik eine Rolle spielen
    – in eine kreative „Flow“-Phase kommst.
  • Es gibt viele „versteckte“ Felder für Kindheitsleidenschaften.
    Malen kann sich zum Beispiel zeigen in:
    – Grafik‑ oder Webdesign, Illustration
    – Marketing, Branding, Präsentationsgestaltung
    – Inneneinrichtung, Dekoration, Visual Merchandising
    – Pädagogik (mit Kindern kreativ arbeiten)
    – Therapie/Coaching mit kreativen Methoden
    – oder auch einfach als ernst genommene künstlerische Neben‑ oder Zweitspur im Leben.
  • Manchmal ist die Berufung nicht (nur) der Job, sondern auch die Art, wie du lebst.
    Vielleicht brauchst du gar keinen „Maler-Job“, sondern ein Leben, in dem Kreativität fest eingebaut ist. Regelmäßiges Malen, Ausstellungen, Workshops, eigene Projekte. Dein Beruf gibt dir dann die Stabilität; die Malerei ist der seelische Kern.
  • Und: Die innere Erlaubnis ist wichtiger als der Markt.
    Die größte Wunde ist oft nicht, dass es „keinen passenden Job“ gibt. Sondern dass wir glauben: „Dann ist das nicht wichtig.“ Doch genau diese Seite von dir ist wichtig. Selbst wenn sie nicht 1:1 ein Stellenprofil füllt.

Elischeba im Abendlicht

Du kannst dir deshalb Fragen stellen wie:

  • Was genau hat mir am Malen gefallen? Farben? Ruhe? Geschichten im Bild? Perfektion? Freiheit?
  • Wo könnte ich diese Qualität heute beruflich oder privat bewusst einbauen?
  • Wie könnte mein Leben aussehen, wenn Malen/Kreativität kein „Hobby-Rest“, sondern ein ernst genommener Teil meiner Identität wäre?

Schreibe mir gerne, was du gerne als Kind gemacht hast? 

Wer warst du, bevor du gelernt hast, wie du sein solltest. Was hat dich als Kind zum Strahlen gebracht?  

Elischeba

Das Yogafoto ist von Ralf Kopp aus Dülmen (Münsterland Portraits). Der Rest der Bilder privat. 

TIPP: Hier findest du tolle Freu-Dich-Codes.

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