Wie du überforderten Eltern besser helfen kannst
als mit Ratschlägen

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Die dunkle Jahreszeit. Die ungewisse Zukunft. Corona rund um die Uhr. Die Sorge, den Job zu verlieren oder die Angst davor, Beruf, Kindererziehung und Haushalt nicht mehr zu managen. Momentan fühlen sich viele Eltern erschöpft. Eltern von jungen Kindern fühlen sich oft gleichzeitig unter- und überfordert. Wie können wir helfen? Ich verrate euch, was besser ankommt, als zig Ratschläge.

Sabine bekommt nach einem dreijährigen Rabauken Zwillinge. Ständig ist sie müde und fühlt sich überfordert. Ihr Mann ist beruflich oft auf Montage und regelmäßig 14 Tage unterwegs. Seine Eltern leben 400 Kilometer entfernt und ihre Eltern sind bereits pflegebedürftig.

Zwei Mütter aus der Nachbarschaft bekommen mit, wie es Sabine geht.

Elke fragt Sabine, wieso man nach solch einem anstrengenden Erstgeboren so schnell wieder schwanger werden muss. Sie fügt hinzu, dass es nichtmal einen Vater gibt, der Zeit hat. „Besser durchgreifen“ gibt sie Sabine später vor dem Lieblingsbäcker mit auf den Weg. Immerhin hat sie mitbekommen, wie Sabines Zwerg sich auf dem Boden gewälzt und lautstark verkündet hat, dass er noch einen Donut mit Schokolade möchte.

Nadine schaut ebenfalls hin. Sie nimmt Sabines dunkle Augenringe wahr. Staunt darüber, was die junge Mutter alleine schafft. Nadine spürt, dass die dreifache Mutter so wenig geschlafen hat, dass sie keine Kraft mehr hat, ihren Dreijährigen zurechtzuweisen. Nadine versetzt sich in die Sorgen der anderen Mutter hinein und zeigt Empathie. Am nächsten Nachmittag steht sie mit einem Topf Suppe vor der Tür und berichtet, dass sie zu viel gekocht hat. Dann schlägt sie vor, dass sie den Dreijährigen mittags im Kindergarten abholt und anschließend mit zum Zoo nimmt. „Ich bin sowieso in der Nähe und der Ausflug wird ihm gefallen,“ fügt sie lächelnd hinzu.

Elischeba Wilde - multitasking

Fotograf: André Plath – Visagistin: Zahra Abrizeh

Was glaubt ihr, welcher Elterntyp der überforderten Mutter mehr hilft? Ratschläge können das ein oder andere Mal tatsächlich Sinn machen. Ich freue mich oft über brauchbare Tipps. Aber Eltern, die nachts drei Stunden geschlafen haben und nicht darauf vorbereitet wurden, wie viel Dezibel ein Mensch ertragen kann, brauchen in erster Linie Lob, Hilfe und Anerkennung.

Wenn du keine Zeit zum Helfen hast, dann schau, was du loben kannst. Es gibt immer etwas, was toll ist. Guck genauer hin und konzentriere dich darauf.

Eine liebe Umarmung kostet dich nichts. Aufmerksam sein kostet dich nichts. Lob kostet dich nichts. Doch kannst du damit den ganzen Tag einer anderen Person angenehmer machen. Vielleicht profitiert jemand noch eine ganze Woche davon.

Je detaillierter, aufrichtiger und herzlicher Lob rüber kommt, desto besser wird es aufgenommen. Statt einfach nur zu sagen „Du bist eine gute Mutter“ ist es schöner, genauer zu sagen, was du magst.

„Toll, dass du trotz deinem Stress so viel mit deinen Kindern spielst.“

„Klasse, wie du selbst mit so wenig Schlaf deinen Humor nicht verlierst.“

„Du hast ein Talent dafür die Fenster zu schmücken. Das kriege ich selbst nicht so schön hin.“

Das sind Beispiele, die zeigen, dass wir uns positiv mit dem Gegenüber auseinandersetzen und genau hinschauen.

Urlaub mit Hund im Harz

Bei Interviews mit Eltern zwecks Recherchen ist mir aufgefallen, dass sich viele Mütter gleichzeitig unter- und überfordert fühlen. Das ist auf Dauer frustrierend.

Wir können uns gegenseitig helfen, wenn wir uns als Eltern noch besser vernetzen. Wie wäre es, sich abzuwechseln? Montags holt Matty die Kids aus dem Kindergarten und Dienstags Kathrin.

Schön ist auch immer ein Plan B, falls Eltern oder Kinder krank werden. Anstatt Ratschläge zu geben, hilft es unglaublich, mit Tatkraft zur Seite zu stehen. Fragen, ob wir vom Einkaufen etwas mitbringen können oder den Kids ein tolles Brettspiel ausleihen. Am besten etwas, mit dem sie sich lange alleine beschäftigen können und das weder Geräusche noch Dreck macht.

Bitte vergesst nicht, dass unpassende Kommentare bei anderen noch nachwirken, wenn wir sie längst vergessen haben. Das bewirkt, dass sich eine Mutter noch schlechter fühlen mag.

Mutter-Kind-Klinik an der Ostsee - Elischeba Wilde

Halten wir als Eltern zusammen, vernetzen, helfen, loben, unterstützen und umarmen wir uns, so ist alles halb so wild. Wir sitzen im gleichen Boot und wünschen uns doch das Gleiche: Glückliche Kinder!

Liebe Grüße von Elischeba

Hinweis: Die Namen im Artikel wurden geändert.

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Wie du überforderten Eltern besser helfen kannst als mit Ratschlägen
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Wie du überforderten Eltern besser helfen kannst als mit Ratschlägen
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Momentan fühlen sich viele Eltern erschöpft. Eltern von jungen Kindern fühlen sich oft gleichzeitig unter- und überfordert. Wie können wir helfen?
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Elischeba | Reise-, Lifestyle- & Familien Blogazin by Elischeba Wilde
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4 Kommentare

  1. Avatar
    Dagmar
    07/12/2021 / 18:47

    Den Typ „Nadine“ habe ich als Nachbarin und Freundin. Ein Traum!

    • Elischeba
      Elischeba
      Autor
      08/12/2021 / 10:18

      Wie schön! Dann richte diesem Typ „Nadine“ mal unbekannterweise aus, dass ich das richtig klasse finde, dass sie so ist, wie sie ist.

  2. Avatar
    Sandra
    13/12/2021 / 19:13

    Ein richtig schöner und Mut machender Artikel, liebe Elischeba!

  3. Avatar
    Kissi
    14/12/2021 / 9:04

    Die schlimmsten Kommentare kommen von Leuten, die 1. erwachsene Kinder haben 2. ideale Lebensumstände oder 3. gar keine Kinder!

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