Coronaeltern – wenn Mütter an ihre Grenzen stoßen und unpassende Kommentare erhalten

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Wir fühlen uns unsicher und versinken im Chaos. Eltern verzweifeln  am Spagat zwischen Homeschooling, Kinderbetreuung, Haushalt und Home-Office.

Sie wünschen sich ihr altes Leben zurück. Gerade in Zeiten, in denen wir gestresst sind, tun blöde Kommentare besonders weh. Dazu später mehr.

„Elischeba, dein letzter Blogartikel über deinen Rückblick auf die ersten fünf Wochen der Corona-Ferien war ja ganz nett. Normalerweise mag ich deinen Optimismus. Aber mir geht es gerade richtig dreckig. Dann macht es mich aggressiv, wenn du schreibst, dass überall da, wo Schatten ist, auch Licht ist. Dann nervt es mich, dass du auf Bildern strahlst und du schreibst, dass deine Kinder schön zusammen spielen. Weil unsere sich täglich streiten und ich mich einfach nur mies fühle. Die Unsicherheit macht mich gerade am meisten fertig. Niemand sagt mir genau, wie es weiter geht.“

Dieser Leserbrief hat mich nachdenklich gemacht. Ja, ich liebe es, mit meinen Artikeln Mut zu machen. Ich mag es, zu inspirieren.

Aber ich habe auch Momente, wo ich sage: Es reicht. Wir Coronaeltern möchten gehört werden. Die Politiker dürfen unsere Kinder nicht vergessen.

Spaziergang in der Natur

Meine fünfjährige Tochter ist ein quirliger Sonnenschein. Gesellig, lebhaft und fröhlich. Aber vor zwei Wochen fing sie heftig an zu weinen und meinte: “Langsam reicht es mit Corona.” Sie möchte unbedingt wieder in den Kindergarten.

Einige Eltern erzählen mir, dass ihre Kinder auf weiterführenden Schulen täglich sieben Stunden an ihren Aufgaben sitzen. Die Schüler fragen beim Homeschooling ihre Mütter und die wissen keine Antworten. Oder müssen arbeiten. Das ist frustrierend.

Eine Freundin hat mir berichtet, dass sie keine Notfallbetreuung in ihrem Kindergarten bekommen hat, da nur ein Elternteil in einem systemrelevanten Beruf arbeitet. In der Verwandtschaft darum betteln, dass jemand ihre Tochter nimmt, ist unangenehm.

Ihre Tochter baut täglich Stofftiere auf und spielt den Morgenkreis im Kindergarten nach. Nennt Hase, Teddybär und Kuschelkatze mit den Namen ihrer kleinen Freunde. Die sie acht Wochen nicht mehr treffen durfte. Die Dreijährige vermisst außerdem die liebevollen Erzieher in der KiTa und ist oft traurig.

Chaos mit Kindern

Unsere Wohnung sah noch nie so chaotisch aus, wie während der Corona-Zeit. Irgendwann hab ich mir gedacht: Hauptsache, sie sind glücklich. Hauptsache, sie sind beschäftigt. Ordnung wird überbewertet. Die Kinderzimmer sind auf der Prioritätenliste in Sachen Haushalt nach hinten gerutscht.

Wisst ihr, was für uns Eltern schlimmer ist, als die Arbeit? Anstrengender, als das Schlüpfen in zig Rollen?

Die harten Worte anderer Mütter. Oder der kinderlosen Frauen. Worte, die meist gar nicht böse gemeint sind. Die jedoch zu einer Zeit kommen, wenn wir an unsere Grenzen gehen. Worte, die uns anders treffen, als dann, wenn wir voller Energie, ausgeglichen und glücklich sind.

Chaos im Kinderzimmer

Im What`s App Status habe ich vor zwei Wochen geschrieben, dass es anstrengend für mich wird, wenn Leon in die Schule darf, aber Emily noch nicht in den Kindergarten.

Eine Bekannte hat prompt geantwortet, dass Kinder ihre Mütter brauchen. Ob ich nicht in der Lage wäre, mit meiner Tochter zu spielen.

Dann ironisch zugefügt: „Du schaffst das schon. Ich habe das auch geschafft. Meine Tochter war nie im Kindergarten.“

Elischeba und die Kids - Mama Kind Blog

Eine Freundin wurde gefragt, wieso sie nicht die viele Zeit mit ihrer Tochter genießt. Ganz einfach: Weil sie arbeiten muss, da eine Person alleine heute meist keine Familie mehr ernähren kann.

Ihr Mann wird meiner Meinung nach total unterbezahlt. Sie haben zu zweit so wenig Geld, dass sie keine Rücklagen bilden können. Beide sind froh, wenn sie trotz Corona ihren Job behalten.

Spielzimmer mit Kids im Oktober 2015

Wir kennen es. Berufstätige Mütter gegen Hausfrauen. Kinderlose gegen Familien. Eltern von erwachsenen Kindern gegen Dreijährige. Urteilen, ohne Hintergründe zu berücksichtigen. Wie kann jemand gestresst sein, der nicht arbeitet? Wieso arbeitet eine Mutter, obwohl der Mann genug Geld verdient?

Einige Eltern machen sich im Internet Luft. Wisst ihr, was einer Bloggerkollegin passiert ist? Sie hat geschrieben, dass sie zu Corona-Zeiten an ihre Grenzen kommt und nur noch müde ist.

Sie wurde gefragt, wieso sie denn überhaupt Kinder bekommen hat. Was ich ebenfalls höre: Wozu setzt man Nachwuchs in die Welt, wenn man ihn mit zwei Jahren abschiebt? Man muss in der Lage sein, sich selbst zu kümmern. Ohne Fremdbetreuung.

Elischeba Wilde - business - Laptop und Smartphone

Fotograf: André Plath

In einer Spezialsendung zum Thema „Corona und Familien“ wurde eine Mutter interviewt, die plötzlich in Tränen ausbrach.

Weil ihr alles zu viel wird. Sie schluchzte, da ihre Kinder Freunde vermissen und die Wohnung zu klein ist, um den ganzen Tag drinnen zu sein.

Sie weinte, weil sie ein schlechtes Gewissen hat, wenn sie im Home Office sitzt und ihre Kinder ihr zwischendurch gemalte Bilder zeigen. Sie fügte unter Tränen hinzu, dass sie ihre Kinder wegschicken musste. Weil sie Termindruck hatte. Weil sie wusste, dass sie ihren Job braucht. Da ihr Mann schon längst in Kurzarbeit ist.

Auch Alleinerziehende wurden im Beitrag interviewt und haben erzählt, wie sehr sie am Limit sind.

Diese Menschen finde ich so viel sympathischer als die verurteilenden Übermütter. Oder Personen, die keine Kinder haben und Familien Vorwürfe machen, die während der Pandemie Probleme haben.

Elischeba Wilde - Frau mit weißem Pullover

Fotograf: Jürgen Brochtrup

Wir Eltern dürfen darauf aufmerksam machen, wie es uns geht. Wir möchten nicht vergessen werden. Es macht uns fertig, dass wir schlecht planen können.

Eine Leserin hat es auf den Punkt gebracht: „Was ich gerade schaffen muss, das passt nicht in einen 24 Stunden Tag hinein.“

Zwei ihrer Kinder haben Probleme beim Lernen. Sie hinken im Fach Mathematik hinterher. Nach einem langen Arbeitstag muss sie Essen kochen, putzen und Homeschooling hinkriegen. Sonst nimmt sie den Kindergarten in Anspruch und um neuen Lernstoff kümmern sich zum großen Teil Lehrer in der Schule.

Als ihre Kinder einen grippalen Infekt hatten, musste sie ebenfalls den Spagat schaffen. Doch das war zwei Wochen lang. Jetzt geht es bereits zwei Monate so und ein Ende ist kaum abzusehen.

Model und Mama Blog - Elischeba und Kids

Wisst ihr, was hilft? Wenn wir Eltern uns gegenseitig unterstützen. Wir sitzen alle im gleichen Boot.

Heute habe ich einer befreundeten Mutter per What`s App geschrieben, dass Homeschooling nicht meine Stärke ist. Sie hat mir geantwortet, dass es ihr ähnlich geht. Bei ihrem Sohn sei die Luft raus. Er lässt sich nicht motivieren. Dann habe ich mich nicht mehr alleine gefühlt.

Jeder von uns gibt sein Bestes. Wir brauchen Pausen und wir haben Tage, wo wir weniger Energie haben.

Was wir gemeinsam haben: Wir lieben unsere Kinder. Und unsere Kinder lieben uns auch. Obwohl wir nicht perfekt sind. Oder vielleicht gerade deswegen? Weil wir nicht perfekt sind?

Kopf hoch und haltet weiter durch, ihr Lieben! Jede Mama von euch ist klasse und klopft euch mal selbst auf die Schulter. Aber bitte kräftig!

Elischeba

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Coronaeltern - wenn Mütter an ihre Grenzen stoßen und unpassende Kommentare erhalten
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Coronaeltern - wenn Mütter an ihre Grenzen stoßen und unpassende Kommentare erhalten
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Eltern verzweifeln am Spagat zwischen Homeschooling, Kinderbetreuung, Haushalt und Home-Office. Eine Leserin hat es auf den Punkt gebracht: *Was ich gerade schaffen muss, das passt nicht in einen 24 Stunden Tag hinein.* Besonders übel, wenn dann jemand fragt, wieso man überhaupt Kinder in die Welt gesetzt hat.
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Elischeba | Reise-, Lifestyle- & Familien Blogazin by Elischeba Wilde
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10 Kommentare

  1. Avatar
    Agnes
    10/05/2020 / 22:42

    Danke für diesen Artikel. Er kommt gerade genau richtig.

    • Elischeba
      Elischeba
      Autor
      11/05/2020 / 15:12

      Oh, das freut mich. Wir haben alle regelmäßig Hänger, denke ich. Mal mehr, mal weniger. So ist es auch bei uns. Es gibt gute und schlechte Tage. Doch ein Glück mehr schöne Momente. Die suchen wir auch jeden Tag und freuen uns darüber.

  2. Avatar
    Daria
    11/05/2020 / 16:29

    Unser Kindergarten schickt uns ständig Bastelanleitungen. Ist ja schön und gut. Aber das Problem ist nicht, dass ich nicht weiß, was ich mit meiner Tochter anfangen muss. In den Ferien habe ich 1000 Ideen und genieße die gemeinsame Zeit. Aber jetzt muss ich ARBEITEN und habe das gleiche Problem, wie die Freundin von dir im Artikel.

    Schön, dass du Eltern mit deiner Reichweite eine Stimme gibst.

    • Elischeba
      Elischeba
      Autor
      11/05/2020 / 21:52

      Unser Kindergarten schickt auch ständig liebe Mails mit Tipps. Uns mangelt es da auch nicht an Ideen. Anders ausgedrückt: Die Kinder beschäftigen sich auch selbst unheimlich gut. Aber wenn Eltern arbeiten müssen (was nicht immer im Home Office geht!), dann ist das ohne Betreuung echt schwer. Kinder leiden auch sehr unter Isolation, unsere Emily liebt ihren Kindergarten total! Sie vermisst Freunde und Erzieher.

  3. Avatar
    Sara H.
    12/05/2020 / 10:07

    Obwohl du auch mal “Ärger” raus lässt, macht dein Artikel zum Ende hin auch wieder Mut. Das mag ich an deinem Blog.

    Mach weiter so!

    • Elischeba
      Elischeba
      Autor
      12/05/2020 / 11:35

      Oh, Dankeschön. Es freut mich, wenn ich Mut machen kann. Alles Liebe und halte weiter durch!

      Elischeba

  4. Avatar
    Karin
    12/05/2020 / 14:53

    Sehr sehr guter Artikel. Ich glaube, dass Mütter wegen Maskenpflicht, Überlastung und Geldsorgen schneller mal was “Böses” sagen als sonst. Ist für uns alle eine schwere Situation.

    • Elischeba
      Elischeba
      Autor
      12/05/2020 / 22:54

      Das glaub ich auch. Ich habe beim Einkaufen die letzte Zeit chronisch schlechte Laune. Vor der Maskenpflicht hatte ich mich gefreut, weil ich mal andere Menschen getroffen habe.

  5. Avatar
    Danni
    15/05/2020 / 11:18

    Diese Artikel mag ich von dir lieber. Nicht so unnahbar und immer strahlend, sondern mehr “eine von uns” – so herrlich normal, unperfekt und echt.

    • Elischeba
      Elischeba
      Autor
      19/05/2020 / 11:47

      “eine von uns” …. da musste ich lachen …. Danke, liebe Danni!

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