Wie kann ich Kinder fördern,
ohne sie zu überfordern?

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Nicht nur gestresste Manager kennen Leistungsdruck. Auch unsere Kinder und Jugendliche sind von Stress betroffen. Wie können wir sie fördern ohne zu überfordern? Wie ist es möglich, dass Kinder sich frei entwickeln und wie passen wir uns ihrem Lebenstempo an?

Spiegel-Bestsellerautorin Dr. Anke Elisabeth Ballmann ist Expertin für kindgerechte Pädagogik und hat das Buch „Das Faultier-Prinzip“ mit hilfreichen Tipps für unseren Alltag geschrieben. Damit das Lesen noch mehr Spaß macht, hat sie das zuckersüße und liebenswerte Faultier Frieda mit ins Boot geholt. Um zu zeigen, dass das Leben auch einfach machbar ist. Aber ganz von vorn.

das Faultier-Prinzip - Buch

Die ersten Faultiere gab es schon vor über 30 Millionen Jahren. Was ich beim Stöbern in der netten Lektüre feststelle: Sie haben einen anderen Stoffwechsel als ich.

Denn während ich aggressiv werde, wenn ich hungrig bin und dreimal am Tag reichlich futtern muss, können die freundlichen Wesen bis zu 30 Tage ohne Nahrung auskommen.

Beim Gespräch mit Dr. Anke Elisabeth Ballmann bekommt das Faultierchen raus, dass die Welt der Menschen ein Lieblingswort hat: „Schnell.“

Viele von uns sind im schnellen Rad des Erfolgsdruckes gefangen. Wir vergleichen uns mit anderen Menschen, die wir für besser halten, da sie mehr Geld besitzen. Am liebsten möchten wir alles sofort haben.

Elischeba Wilde beim Versicherungen sortieren

Fotograf: Jürgen Brochtrup

Einige Eltern haben Angst, dass sie Chancen übersehen und dadurch Zeit verlieren, die nicht wiederkommt. Bei anderen dreht sich das komplette Leben um ihr Projekt „Kind“.

Ich entnehme dem Buch „Das Faultier-Prinzip“, dass Affenmütter, die in eine Konkurrenzsituation mit anderen Affenmüttern geraten, deren Babys töten, um ihr eigenes Junges zu schützen. Das tun sie aus purer Angst davor, dass das eigene Baby nicht überlebt. Nicht nur Affenmütter wollen das Beste für ihr eigenes Kind. Auch wir Menschen. Doch das kann auch Haken haben.

Häufig beginnt der Wettkampf direkt nach der Geburt. Während Faultier Frieda verkündet, dass Faultiermütter einfach nur „sein“ müssen, ist es bei den Menschen anders.

Die Autorin beschreibt, dass das perfekte Mutterbild eine von inniger Liebe durchtränkte und täglich aufopferungsvolle, eierlegende Wollmilchsau ist. Stets geduldig und patent. Eine, die selbstverständlich ganz freudvoll die schokoladigsten Schokomuffins backt, die man sich vorstellen kann.

Doch nicht nur Mütter werden bewertet, sondern auch unsere Kinder. „Wer lernt schneller und besser?“ spielt zumindest unbewusst eine Rolle. Frühes Durchschlafen wird häufig erzwungen und der Preis dafür kann eine unsichere Bindung sein.

Ich klopfe mir selbst leicht auf die Schulter, als ich weiterlese, dass gestillte Kinder am besten direkt bei der Mutter schlafen. So habe ich das bei meinen Kids auch gehandhabt. Allerdings nicht, weil ich es in einem Ratgeber gelesen habe, sondern da ich auf mein Bauchgefühl gehört habe.

Leon neckt Elischeba

Fotograf: Hans P. Graf

Was mir neu war und was ich durchs Rezensieren des Buches lerne: Mutter und Kind stellen sich auf diese Weise aufeinander ein, so dass die Mama nicht in einer Tiefschlafphase geweckt wird. Das Kind passt sich den Leichtschlafphasen an. Es trinkt, wenn die Mutter ohnehin wacher ist. So profitieren beide. Okay, ich war damals trotzdem häufig müde, aber ich habe die Zeit als schön und intensiv empfunden.

Zurück zu Frieda. Das Faultierchen macht uns klar, worauf es ankommt. Zwischen Geburt und Tod liegt ein tolles Leben. Lasst es uns mit all seinen Facetten, seiner Fülle, seinen schönen Momenten, seinen Gefahren und auch seinen Herausforderungen annehmen.

„Mit wem wollt ihr eigentlich immer mithalten, mit eurem komischen Stress? Wer bedroht euch eigentlich?“ Frieda ist verwirrt und fragt die Autorin. Sie erklärt, dass Menschen häufig Angst vor dem Versagen haben. Dabei macht Stress krank. Nicht nur uns Eltern, sondern auch den Nachwuchs. Nicht ohne Grund leiden immer mehr Kinder unter Bauchschmerzen, Schlafproblemen und Hyperaktivität.

Kein Erwachsener sollte permanent über die Lebenszeit der Kinder bestimmen. Natürlich gibt es Regeln, doch sollten wir unsere Kids nicht durchs Leben hetzen, sondern ihnen Raum für eigene Erlebnisse lassen.

Faultier Tasse

Faultiere lernen zum Beispiel durch Nachahmung, Versuch, Irrtum und Spielen. Wenn wir Kinder zu etwas zwingen, was sie uninteressant finden, dann geht das häufig schief. Natürlich sind Hausaufgaben wichtig, doch lasst uns daran denken, dass Stress Lernprozesse negativ beeinflusst. Für Kinder ist es toll, wenn sie die Welt entdecken, ihre Sinne ausbilden und ihren Körper kennenlernen.

Was Kinder für ein gutes Leben brauchen, das tragen sie in sich. Unsere Aufgabe ist es, für die richtige Umgebung zu sorgen, damit das wachsen kann, was wachsen will.

Mädels und Jungs werden nicht leistungsfähiger oder schneller, wenn wir sie hetzen. Ganz im Gegenteil. Sie verlernen dadurch nur, bewusst zu leben. Wenn sie erwachsen sind, belegen sie Kurse, um zu erfahren, was sie ursprünglich von Geburt an konnten. Nämlich entspannt und gelassen zu sein. Paradox, oder?

In der Schule gibt es häufig starre Strukturen, die darauf beruhen, dass Kinder gehorchen, bestimmte Aufgaben erfüllen und dahingehend bewertet und verglichen werden. Es kann passieren, dass Kinder schlechtere Noten schreiben, da ihre Lösungsvarianten schwer nachzuvollziehen sind und sie an „üblichen“ Lösungsvarianten gemessen werden.

Kinder und Hund

Ein Pädagoge hat von Deutschaufsätzen berichtet, die von fünf verschiedenen Lehrer:innen korrigiert wurden. Das Ergebnis: Es gab fünf verschiedene Noten.

Frieda gibt den Rat, dass Eltern damit beginnen können, ihre Kinder nicht mehr für schlechte Noten auszuschimpfen. Somit hätten Schüler weniger Angst vor Prüfungen. Denn mit Angst kann man keine Probleme lösen und erst recht keine Matheaufgaben. Kinder brauchen das Vertrauen der Eltern. Natürlich ist die Schule wichtig. Doch keine Schule der Welt ist es wert, dass Kinder krank werden.

Während ich im Buch weiterlese, denke ich darüber nach, dass ich es besser finde, die Stärken zu fördern, anstatt an den Schwächen zu arbeiten. Ab der siebten Klasse habe ich immer wieder um ein „ausreichend“ in Mathematik gekämpft, damit kein „mangelhaft“ auf dem Zeugnis stand. Das hat mich frustriert, obwohl ich gleichzeitig in Deutsch, Fremdsprachen und Kunst sehr gut gewesen bin. Heute verdiene ich mein Geld mit Texten. Dafür muss ich keine Bruchgleichungen lösen können und auch nicht wissen, wie Zurücksubstitution geht.

Blog Realschule neunte Klasse

Ich muss schmunzeln, als ich im Buch „Das Faultier-Prinzip“ weiterlese, dass 87 Prozent aller Germanistikstudenten gemäß einer Studie nicht wissen, dass das Wort „manche“ ein Pronomen ist. Doch Kinder in der fünften Klasse werden damit traktiert.

Nicht jedes Kind muss zwingend aufs Gymnasium gehen. Frieda vergleicht Schüler mit dem Leben im Dschungel, wo jeder gebraucht wird, da jeder seinen Teil zu den Kreisläufen beiträgt. Es muss sogar jemanden geben, der die gestorbenen Tiere auffrisst, denn die Aasfresser bewahren den Dschungel vor Vergiftungen.

Die Kinder, die jetzt geboren werden, sind die, die uns spätestens in 30 Jahren regieren, operieren und pflegen. Wir brauchen Menschen, die agil und empathisch sind und die mit zukünftigen Herausforderungen umgehen können. Also brauchen wir alle. Nicht nur Akademiker.

Wir werden immer Menschen brauchen, die sich um andere kümmern. Die andere pflegen, mit ihnen sprechen, die kreative Ideen haben und das tun, was ein Algorithmus nicht kann. Individuen, die bereit sind, ihre Talente zum Wohle aller einzubringen. Wir brauchen jeden Menschen, da jeder etwas anderes kann und liebt.

Stellt euch eine Welt vor, in der es niemanden gibt, der Straßenschilder aufbaut, der Brot backt, der Gemüse pflanzt, der Mülleimer leert, der Kinder betreut oder den Schulbus fährt. Eine Welt ohne Handwerker, Kassierer und Pfleger. Wir sind voneinander abhängiger, als wir häufig vermuten.

Deswegen ist es ja so wichtig, dass sich die Schule mehr auf die Stärken konzentriert, anstatt auf die Schwächen der Kinder.

Tipps bei Mobbing in der Schule

Für das spätere Leben ist es von Belang, zu lernen, wie man kreativ Probleme löst. Wie man im Team arbeitet, mit Konflikten umgeht, sich nachhaltig engagiert und wirksam kommuniziert. Denn manchmal sind wir perfekt durchorganisiert und vergessen trotzdem, worauf es im Leben wirklich ankommt.

Hier hilft es, wenn wir unsere Kinder ermutigen, ihren Entdeckergeist fördern und das nachhaltige Lernen an erste Stelle setzen. Denn Kinder lernen meist gerne. Lasst sie uns beobachten, begleiten und unterstützen. Doch nur in Maßen eingreifen.

Damit sie erblühen, sich ausleben können und durch Ausprobieren vorankommen.

Liebe Grüße von Elischeba

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Hinweis: Vom Goldegg Verlag habe ich ein Rezensionsexemplar erhalten. Ich habe einige Auszüge aus dem Buch, die mir gefallen, mit eigenen Gedanken gemixt. Manche Passagen aus meinem Text stammen von Frau Dr. Anke Elisabeth Ballmann.

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Spiegel-Bestsellerautorin Dr. Anke Elisabeth Ballmann ist Expertin für kindgerechte Pädagogik und hat das Buch *Das Faultier-Prinzip* geschrieben. Hier ihre Tipps.
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Elischeba | Reise-, Lifestyle- & Familien Blogazin by Elischeba Wilde
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8 Kommentare

  1. Avatar
    Dagmar
    06/04/2022 / 13:56

    Sehr schön beschrieben, dass nicht jedes Kind aufs Gynnasium muss!

    • Elischeba
      Elischeba
      Autor
      06/04/2022 / 14:10

      Dankeschön, liebe Dagmar!

  2. Avatar
    Tanja W.
    06/04/2022 / 14:45

    Sehr motivierend. Die Autorin denkt ähnlich wie du. 🙂 Nicht wahr?

    • Elischeba
      Elischeba
      Autor
      06/04/2022 / 20:49

      Ja, du kennst mich gut (lach): 😉

  3. Avatar
    Tamara F.
    07/04/2022 / 9:52

    Ganz genau! Wir brauchen nicht nur Akademiker. Auch Handwerker, Menschen die uns pflegen oder die im Supermarkt kassieren. Jeder ist wichtig. Es ist keine Schande, wenn das Kind „nur“ Bäcker wird.

    • Elischeba
      Elischeba
      Autor
      08/04/2022 / 12:16

      Genau, liebe Tamara.

  4. Reinhard
    Reinhard
    07/04/2022 / 10:35

    Hallo Elischeba,
    „nicht jedes Kind muss auf´s Gymnasium!“ … da geb ich Dir vollkommen Recht. Aber jedes Kind sollte auch die beste Bildung und Ausbildung bekommen, die seinen Neigungen und Fähigkeiten entspricht. Das heißt jedes Kind, sollte auch die Chance haben, auf´s Gymnasium zu gehen und später auch zu studieren, wenn es sein größter Wunsch ist und es einfach mehr lernen will und mehr wissen will.

    Ich musste mich Ende der 1960ger Jahre extra durch gute Noten qualifizieren und von meiner damaligen Lehrerin empfohlen werden und zusätzlich eine einwöchige Aufnahmeprüfung machen, um auf´s Gymnasium gehen zu können. Das war etwas ganz Besonderes, weil die Aufnahmeprüfung auch recht schwer war. Aber ich kann mich noch heute an das Glücksgefühl erinnern, als ich die Aufnahmeprüfung bestanden hatte und auf´s Gymnasium gehen durfte.

    • Elischeba
      Elischeba
      Autor
      08/04/2022 / 12:20

      Hallo Reinhard,

      ja, unbedingt! Ich bin sehr für eine gute Bildung. Aber sie muss typgerecht sein und darf nicht erzwungen werden. Damals in Köln bin ich auf die Realschule gegangen und habe dank Facebook festgestellt, dass sämtliche Klassenkameraden heute sehr gute Jobs haben.

      Leon geht ja im Sommer aufs Gymnasium, wie du weißt. Aber er möchte dies auch selbst und hat eine uneingeschränkte Empfehlung dafür erhalten. Wäre das nicht der Fall, wäre er genauso wertvoll und würde auf seine Weise etwas Tolles zum Allgemeinwohl beitragen können.

      Ich wünsche dir ein schönes und sonniges Wochenende!

      Liebe Grüße von Elischeba

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